Thema Wohnen – Herbst-Netzwerktagung am 15. November 2017 in der L-Bank Stuttgart

Qualitätsprädikat Familienbewusste Kommune Plus
Nach dem morgendlichen traditionellen Willkommenskaffee und einleitenden Worten von Hilde Huber als Vereinsvorsitzende informierten Vertreter aus Kommunen, die 2015 erstmals das Qualitätsprädikat Familienbewusste Kommune Plus verliehen erhalten haben im Rahmen eines Podiumsgespräches über ihre Erfahrungen, Hintergründe und vor allem über die Fortentwicklung ihrer Kommune nach der Prädikatisierung. Bürgermeister Matthias Kraut aus der Gemeinde Sontheim/Brenz berichtete, das Prädikat sei nicht nur eine Auszeichnung und Würdigung für alle Menschen in der Gemeinde, die sich für die familienfreundliche Entwicklung der Kommune eingesetzt hätten, sondern gleichzeitig auch Motivation und Ansporn gewesen, den beschrittenen Weg fortzuführen. In Sontheim habe man im Ergebnisbericht manche Anregung zur Fortentwicklung erhalten, die Eingang in das Gemeindeentwicklungskonzept gefunden hätten. Auch Cornelia Rösner, Amtsleiterin in Rheinfelden konnte über sehr positive Auswirkungen aus der Prädikatisierung berichten. Familienbewusstes Handeln sei auch in Rheinfelden Teil des Stadtentwicklungskonzeptes. Aus der Ergebnisdarstellung in Form einer Spinnengrafik habe man sehr deutlich erkennen können, wo noch Verbesserungspotentiale vorhanden seien. Die Ergebnisse aus der Qualitätsprüfung betrachte die Stadt Rheinfelden nicht nur als Dokumentation, sondern als wichtigen Handlungsrahmen für möglichst effektives nachhaltiges Weiterentwickeln. Patrik Hauns, Amtsleiter in Bruchsal informierte darüber, dass die Ergebnisse aus der Qualitätsprüfung wertvolle Handlungsansätze für die Stadt aufgezeigt habe die zwischenzeitlich in die Sozialplanung aufgenommen wurden. Auch habe das Qualitätsprädikat eine enorme Wirkung im Hinblick auf die Außensicht der Kommune, denn sie könne nun nicht nur basierend auf Vermutungen und Annahmen, sondern auf der Grundlage eines qualifizierten Prüfverfahrens jetzt von sich behaupten, tatsächlich familienbewusst zu agieren, was für die Stadt ein sehr wichtiger Standortfaktor darstelle. Auf die Frage von Moderator Hansjürgen Meinhardt, zweiter Vereinsvorsitzender über die Zukunft des Qualitätsprädikates in der jeweiligen Kommune antworteten alle drei Podiumsgäste, dass ihre Kommunen sich nach Ablauf der vierjährigen Geltungsdauer des Prädikates im Jahre 2019 auf jeden Fall wieder um diese Auszeichnung bewerben werden.

Wohnraumproblematik – Wege aus der Wohnungs- und Mietpreisnot
Im Anschluss an diese Moderationsrunde war die Wohnraum- und Mietpreisproblematik in den Städten und Gemeinden ein weiteres Tagungsthema. Alexander Grünenwald von der BauWohnBeratung Karlsruhe informierte mit seinem Impulsreferat über wohnungswirtschaftliche Hintergründe, Lösungsansätze und Herausforderungen für Kommunen und Lokale Bündnisse. Angesichts des demografischen Wandels gelte es, kreative Lösungen mit individuellen Wohnkonzepten zu finden. Er nannte verschiedene Ursachen, die zur heutigen Wohnraumproblematik geführt hätten, die insbesondere dadurch gekennzeichnet sei, dass zu wenig bezahlbare Wohnungen zur Verfügung stehen. Er sehe jedoch auch durchaus Chancen diese Problematik zu bewältigen. Es gelte, jenseits der klassischen Wohnsituation, Gestaltungsmöglichkeiten für neue Lebensformen zu finden. Hier seien insbesondere gemeinschaftliche Wohnformen zu nennen. Diese leisten nicht selten einen erheblichen Beitrag zu mehr sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit und können zu messbaren volkswirtschaftlichen Einsparungen führen. Anhand zahlreicher Beispiele aus dem Land stellte er verschiedene Arten zukunftsorientierter bezahlbarer Wohnformen vor. Im Detail verweisen wir hierzu aus seine Vortragspräsentation, die wir diesem Bericht zum Download angefügt haben.

Die L-Bank informiert: Angebote zur Wohnraumförderung
Peter Jakob, Bankfachwirt überbrachte die Willkommensgrüße der L-Bank als Hausherrin. Er referierte über Fördermöglichkeiten der L-Bank und zeigte auf, inwieweit auch in heutiger Zeit durch zinsgünstige langfristig angelegte Förderprogramme seitens des Landes, wie auch der L-Bank Erleichterung bei der Finanzierung entsprechender Projekte möglich sei. Auch hierzu verweisen wir auf die zum Download bereitstehende Vortragspräsentation.

Erfolgreiche Wohnkonzepte
Im Anschluss daran berichteten im Rahmen von Kurzbeiträgen Vertreter verschiedener baden-Württembergischer Kommunen über erfolgreiche Wohnkonzepte in ihren Städten und Gemeinden. Für die Stadt Ludwigsburg wurde das Modell „Fair Wohnen“ angesprochen, welches das Mietpreisniveau nach der Höhe des Einkommens der einzelnen Mieter bemisst. Bürgermeister Josef Pfaff aus Burgrieden informierte über das dortige Modell des „Allengerechten Wohnens“, einem sehr erfolgreichen Mehrgenartionenquartier und Bürgermeister Thomas Hölsch stellte das in Dusslingen erfolgreich praktizierte Projekt der „Sozialen Quartiersentwicklung“ vor.

Mieterbund-Landesvorsitzender Rolf Gaßmann gab einen Überblick über die Mietpreissituation bei den insgesamt ca. 170.000 Mieterfamilien, die der Deutsche Mieterbund Baden-Württemberg derzeit vertrete. Er bestätigte die von seinen Vorrednern erwähnte Problematik und forderte insbesondere auch die Politik auf, sich für eine nachhaltige Änderung der Situation einzusetzen.

Der sich anschließende nachmittägliche Programmteil, hatte die Erarbeitung von Vorschlägen für das künftige Wirken der Arbeitsgemeinschaft Netzwerk Familie Baden-Württemberg zum Inhalt. Im Rahmen eines Strategie-Workshop bei der Frühjahrstagung 2015 hatte sich die AG unter der Moderation durch Christoph Weinmann letztmals mit Zielsetzungen und Maßnahmen für einen mehrjährigen Zeitraum befasst. Nachdem diese Zielsetzungen und Maßnahmen, wozu auch die Umwandlung der bisherigen AG in einen eingetragenen Verein zählte, in der Zwischenzeit erfolgreich umgesetzt werden konnten, galt es nunmehr die Wünsche, Erwartungen und Anregungen, aber auch Blitzlichter und Highlights aus den Bündnissen und Kommunen zu erfahren, um daraus einen Zweijahresplan für die Vereinsarbeit entwickeln zu können.

In zwei parallel stattfindenden Workshops diskutierten die Teilnehmer unter der Moderation von Christoph Weinmann und Andreas Reuter u.a. die zentrale Fragestellung nach dem Mehrwert, welche die Arbeitsgemeinschaft für ihre Mitglieder erbringt und wie hieraus ein fruchtbarer gegenseitiger Austausch untereinander auch zukünftig gestaltet werden könne. Am Ende war man sich einig darüber, dass der gegenseitige persönliche Austausch und das voneinander Lernen auch weiterhin ein wichtiger Bestandteil der Kommunikation zwischen den Mitglieder darstellen soll. Um hierbei insbesondere das persönliche Gespräch suchen zu können wurde u.a. der Vorschlag unterbreitet, ab 2018 nur noch eine zentrale Netzwerktagung pro Jahr anzubieten und anstatt der zweiten Netzwerktagung je ein Regionaltreffen in den vier Regierungsbezirken mit Themen aus dem dortigen regionalen Bereich durchzuführen. Über die zahlreichen Anregungen und Ergänzungswünsche hat nunmehr der Vereinsvorstand noch zu befinden.

Präsentation Fördermöglichkeiten der L-Bank  

Präsentation Wohnraum- und Mietpreisproblematik